Parvenüs, Politiker, Persönlichkeiten

Die Parvenüs von 1933

Hitlervergleiche ziehen immer und kommen stets gut an. Also: was haben 1933 und 1998 gemeinsam? – Antwort: Damals wie heute begann eine Ära der Emporkömmlinge in der deutschen Politik.

Wie das? Die Spur führt nach Hannover. Nun sind die ehrenwerten Herren Schröder und Wulff gewiss keine Hitlers (auch wenn das Epitheton “Medienkanzler” auf Schrö- wie auf Hitler gleichermaßen passt), und ebensowenig ist Carsten Maschmeyer ein Alfred Hugenberg.

(auch wenn Maschi wie Hugi beide zwielichtige Unternehmer sind. Auch wenn beide insgeheim spätere Kanzler und Präsidenten mit ihren Geldern tatkräftig unterstützt haben. Auch wenn beide ihre Medienmacht ausspielen – entweder indem ihnen (siehe Hugi) die Medien schlicht selbst gehören, oder aber indem sie selbige (siehe Maschi) derart mit Klagen überziehen, dass der Deutsche Journalisten-Verband schon die Pressefreiheit bedroht sieht.)

Aber was Hugi und Maschi prinzipiell unterscheidet: Hugenberg ist kein Emporkömmling. Hugenberg ist Sohn eines Königlich Hannoverschen Schatzrats und MdL. Maschi ist Sohn einer alleinerziehenden Sekretärin.

An dieser Stelle wird es Zeit, den treffenden Kommentar von skeptiker 01 auf faz.net (21.12.2011 20:49 Uhr) zu zitieren.

Es ist nicht ehrenrührig, sich “nach oben” gearbeitet zu haben, wenn man dabei den bürgerlichen Anstand nicht verletzt. Ob das der Fall ist, wenn man alte und/oder vertrauensselige Menschen mit Drückerkolonnen um ihr Erspartes bringt oder sich als Politiker korrumpieren lässt, kann jede/r selbst entscheiden. Interessant indes, dass Emporkömmlinge vermeintliche Win-Win-Freundschaften am ehesten mit anderen Parvenues schließen. So Maschmeyer mit den MPn Schröder und Wulff. Er hat sie schlicht gekauft. Jetzt ziehen Wulffs bereitwillige Korrumpeleien ihn mangels eigenen Formates heftig nach unten. (Hervorhebung MJG)

Ein redegewandter, mit allen Wassern gewaschener Unternehmer hilft profillosen Unterschichts-und-Kleinbürger-Politikern auf dem Weg nach oben. Wir schreiben das Jahr 1933. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Warum das alles auf Geistbraus? Beispielsweise (denn es gibt beliebig viele andere Anwendungsbereiche):

Wir schreiben das Jahr 2011. Blogger ultramontanus verteidigt mit Zähnen und Klauen einen dumpfkatholischen Text aus dem 19. Jahrhundert. In diesem Text wird Martin Luther unterstellt, wegen frühkindlicher Bettnässerei und einer unaufgearbeiteten väterlichen Ohrfeige (oder so ähnlich…) die Reformation angezettelt und damit halb Europa in den Höllenschlund gerissen zu haben. Der Geifer dieses Texts ist derselbe, der sich bei Hitler als Gebrüll, bei Schröder als Gedöns und Gejohle, bei Wulff als Geseier und bei Maschmeyer als Geprotze wiederfindet. Es ist der Lärm, mit dem die Kleingeister ihre Minderwertigkeit überdecken. Einen Luther bespuckt zu haben, die Juden ausradiert zu haben oder mit einem Filmstar liiert zu sein: das tut so unendlich gut. Es suggeriert einem, so wichtig zu sein. Was die Emporkömmlinge nicht verstehen (weil die Welt zu gewinnen eben die Rechtfertigung für ihr ganzes Dasein ist), ist jenes einfache Wort Christi:

Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele? (Mt 16, 26)

Die Rechtfertigung für mein Dasein liegt allein in Gott und nicht in dem, was ich erreicht habe oder wem ichs gezeigt habe. Das können Arme und Reiche ganz genauso unterschreiben. Niemals aber jemand, der mehr sein will, als er ist.

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4 Responses to Parvenüs, Politiker, Persönlichkeiten

  1. Pingback: Ein Dumpfkatholik. « Ultramontan

  2. ultramontan says:

    Vielleicht bin ich betriebsblind. Wo verteidige ich den von dir ungeliebten Text mit Zähnen und Klauen? o_O

    • mjgrannenfeld says:

      nun, Bruder, leg doch nicht jedes Wort so auf die Goldwaage. Jedenfalls scheinst Du mit diesem Text mehr anfangen zu können als ich. Alles andere katalogisiere gerne unter Rhetorik, Schaum, Puderzucker.

      Ich mach Dir ja auch keinen Vorwurf für obenstehende Aussage:

      > hat der in Christo Geliebte den »dumpfkatholischen« Artikel zum Anlass für einen eigenen Blogeintrag genommen

      obwohl es ja in Wahrheit grad andersrum war: ich habe Maschmeyer & Co. zum Anlass genommen, noch kurz den dumpfkatholischen Artikel als mögliches Anwendungsbeispiel zu erwähnen…

      so, und ab jetzt herrscht Weihnachtsfrieden!

  3. Pingback: Umschau » Johannes' Blog

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